Mittwoch, 23. Mai 2018

Geisteshaltung

Ich weiß nicht mehr, wann mir bewusst wurde, dass ich eine Geisteshaltung habe. Ich erinnere mich noch, dass irgendwann mal jemand einen Kommentar über mich gemacht hat und meinte, ich hätte "Haltung" gezeigt. Ich war verwundert, denn diesen Begriff hatte ich bis dato noch nicht auf mich bezogen.
"Haltung" heißt ja, für etwas gerade stehen. Bei Wikipedia steht unter dem Begriff Haltung unter anderem:
  • Gesinnung, die auf ein Ziel gerichtete Grundhaltung eines Menschen
  • Haltung bewahren bzw. Contenance, die Gelassenheit in schwierigen Situationen
  • Haltung bzw. Einstellung, die persönliche Meinung zu einer Angelegenheit; thematisiert von alters her in der Philosophie, aber auch in der Soziologie und Psychologie. Zu letzterer siehe speziell auch Einstellung (Psychologie).

Mir gefällt der Begriff Geisteshaltung. Aber bei Wikipedia steht nichts dazu. Das überrascht mich. Dort wird Geisteshaltung mit Mentalität gleichgesetzt. 
Ich klicke weiter und finde bei Yogawiki unter anderem folgendes: 
"Geisteshaltung‏‎ ist die Haltung deines Geistes. Deine Geisteshaltung hat einen starken Einfluss, wie du Dinge siehst, wie du zu Menschen stehst. Wenn du eine Geisteshaltung der Akzeptanz und der Offenheit hast und der Lernbereitschaft, dann wirst du im Leben viel Gutes erfahren, viel Sinnvolles sehen und weniger verzweifelt sein.
Wenn du eine skeptische Geisteshaltung hast, dann wird das dich prägen. Wenn du eine Geisteshaltung des Beurteilensund Verurteilens hast, wirst du immer wieder mit Menschen in Konflikte geraten. Wenn du die Geisteshaltung hast, alle bekehren zu wollen, dann wirst du auf Widerstände stoßen. Wenn du aber die Geisteshaltung im Verhältnis zu anderen hast von LiebeMitgefühlRespekt und auch Demut, dann werden deine Beziehungen mit anderen Menschen zufriedenstellendsein, voller Liebe und auch voller Freude.

Samstag, 12. Mai 2018

Marina Abramovic

Gestern war ich in der Ausstellung The Cleaner in der Bundeskunsthalle in Bonn.
Meine Freundin Michaela hatte mich eingeladen, als Geburtstagsgeschenk. Marina Abramovic ist übrigens im selben Jahr geboren wie ich, 1946. 
Es ist beeindruckend, was Abramovic bisher geschaffen hat. Berührend beeindruckend. Auch weil alle Sinne angesprochen werden. Vor allem aber berührt mich ich ihre Radikalität. Ihr Mut. Ihre große Fähigkeit zur Transparenz.
Ich fand auch die Art der Ausstellung gelungen, wie auf relativ wenig Raum die vielfältigen Werke zugänglich und nachvollziehbar gemacht werden. Alles stimmt an dieser Ausstellung. Ein tolles Geburtstagsgeschenk. Danke, Michaela :)


Marina Abramovic. Ein Video, das ich im Museum abgefilmt habe. Ich hatte den Museumswärter gefragt, ob ich filmen darf, und er wies mich darauf hin, dass 10 Sekunden Filmen erlaubt sei, dass er aber weggucken würde... Ich habe dann 8 Sekunden gefilmt und ein Gif erstellt. 

Dienstag, 8. Mai 2018

Ich bin überrascht

Die Liste der Männer und Frauen, die ich in einem früheren Blogeintrag gepostet habe, die im Alter beeindruckende Werke geschaffen haben, hat eine Wirkung, die mich überrascht. Nicht nur auf mich, sondern auch auf andere.
Offensichtlich passiert es vielen auf dem Weg ins Alter, vielleicht so zwischen 60 und 70, dass sie vergessen, dass es noch nicht zu Ende ist bevor es nicht zu Ende ist. Weder das Leben an sich noch die Schaffenskraft. Von daher ist es gut, sich mit dieser Liste vor Augen zu führen, wer alles mit über 70, 80 oder 90 noch kreativ war, Kunst gemacht hat und sich damit sozusagen "unsterblich" gemacht hat.
Ich mache zwar keine Kunst, aber ich kann bestätigen, dass ich beim Arbeiten an meinem neuen Buch Momente erlebe, in denen ich so leicht wie nie zuvor intuitiv denken kann. Nur so nebenbei: ich finde intuitives Denken schöner als rationales Denken, denn es nimmt die Empfindungen mit. Aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Es ging ums Alter und um Schaffenskraft.
Ich frage mich, ob wir im Alter vielleicht durchlässiger für Intuitives werden und kreatives Schaffen damit leichter wird. In meinem Fall habe ich den Eindruck, ich muss nichts weiter tun als den Raum halten, in dem mein Thema sich entwickeln kann. Klar, dann muss ich mich hinsetzen und schreiben. Aber da mir schreiben jederzeit und überall Freude macht, ist das kein Problem. Auch nicht wenn es über Stunden geht.
Eins aber ist wichtig: Ich darf mich nicht zu sehr ablenken und den Raum verlieren. Wobei ein bisschen Ablenkung wiederum gut zu sein scheint. Fernsehen zum Beispiel. Kochsendungen. Oder eine Talkshow. Es erlaubt mir, mich vom Denken zu erholen und meine Intuition kann sich ausruhen.

Samstag, 5. Mai 2018

"... die madamig aussehende Statement-Kette... "

Ich habe mir mal eine "madamig aussehende Statement-Kette" gekauft, eine weiße Perlenkette. Und ich habe sie auch getragen. Und ich war auch mal in einem Fotoladen und habe mich damit fotografieren lassen. Und ich habe dieses Foto auch auf meine Websites gestellt, weil ich...
Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was ich mir dabei gedacht habe. Ich weiß nur, dass ich seriös wirken wollte. Ans Alter hatte ich dabei gar nicht gedacht.
Meine Freundinnen wiesen mich immer wieder darauf hin, was das doch für ein sonderbares Fotos sei auf den Websites. Es würde mich alt machen. Aber ich fand es gut. Irgendwie jedenfalls. Und ich wollte mich nicht wirklich damit beschäftigen. Und so vergingen einige Jahre. Mittlerweile ist das Foto ersetzt. Die Perlenkette habe ich schon lange nicht mehr getragen. Mittlerweile trage ich bunte Glasperlenketten.
Übrigens: den Ausdruck "madamig aussehende Statement-Ketten" habe ich in diesem Artikel bei Spiegel Online gefunden. Stylingtipps: Diese Fashion-Fehler lassen Sie alt aussehen.

Freitag, 20. April 2018

Man kann es nicht oft genug sagen:

Unsere Gedanken, die Art, wie wir über unser eigenes Altwerden denken, und auch die Art, wie wir darüber reden, also die Worte, die wir wählen, um auszudrücken, was wir über Altwerden und Altsein denken, hat wesentlichen Einfluss darauf, WIE wir altern.
Man kann natürlich auch denken, es sei egal, was man denkt, es komme sowieso wie es kommen soll.
Man kann auch denken, Denken habe keine Wirkung.
Irgendwie kann man alles denken... schließlich wissen wir: Die Gedanken sind frei!
Gestern, in einem Straßencafé in der Nähe vom Kölner Dom, saß ich mit einer Freundin an einem großen Tisch. Nach einer Weile kam ein Mann und setzte sich ans andere Ende des Tisches, nachdem er uns gefragt hatte, ob dort noch frei sei. Nach einiger Zeit kam ein anderer Mann, ein Freund oder Bekannter und die beiden Männer umarmten sich, sie hatten sich offenbar lange nicht gesehen. Vom Alter schätzte ich sie Anfang 60. Irgendwann zwischendurch, als meine Freundin und ich gerade mal still waren, hörte ich wie der eine Mann zum anderen sagt: "Wir werden niemals alt werden." Und die Art, wie er es sagte, war so voller Zuversicht, so naiv und kraftvoll, dass ich dachte: Ja, vielleicht gelingt es euch.

Donnerstag, 19. April 2018


Noch mehr Alte mit Schaffenskraft:

Ursula Lehr hat noch mehr alte Menschen auf Ihrer Liste:
Unter den Dichtern sei zunächst Johann Wolfgang v. Goethe (1749-1832) erwähnt, der mit 82 Jahren seinen Faust II vollendete. 
Theodor Fontane (1819-1898) schrieb mit 77 seinen Roman "Effi Briest". 
Henrik Ibsen (1828-1906) arbeitete erfolgreich noch in seinem 8. Lebensjahrzehnt. 
Marie v. Ebner-Eschenbach (1830-1916) schrieb noch im 9. Lebensjahrzehnt. 
Knut Hamsun (1859-1952) schloss sein Werk "Auf überwachsenen Pfaden" mit 90 Jahren ab. 
Gerhard Hauptmann (1862-1946) vollendete seine Iphigenie-Dramen mit 80 Jahren. Ebenso alt war Ricarda Huch (1864-1947) als sie "Herbstfeuer" und "Mein Tagebuch" schrieb. 
Ina Seidel (1885-1974) verfaßte ihr letztes Buch "Lebensbericht" als 85jährige. 
George Bernard Shaw (1856-1950) schrieb sein Buch "Zurück zu Methusalem" im 9. Lebensjahrzehnt. In seinem Nachwort stellte er fest: "Meine körperlichen Kräfte lassen mich im Stich ... und dennoch hat mein Geist noch immer die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln, denn meine Neugierde ist lebhafter als je ...".
Viele Komponisten zeigen eine beachtenswerte Kreativität noch im hohen Alter.
Heinrich Schütz (1585-1672) komponierte das Weihnachtsoratorium, drei Passionen und das Magnificat mit 85 Jahren;
Georg Philipp Telemann (1682-1767) komponierte bis zu seinem Tod mit 86 Jahren.
Georg Friedrich Händel (1685-1759), Joseph Haydn (1732-1809), Franz Liszt (1811-1886) und Anton Bruckner (1824-1896) schufen noch bedeutende Werke im 8. Lebensjahrzehnt.
Guiseppe Verdi (1813-1901) vollendete als 80jähriger den Falstaff und hatte danach noch Opern und Symphonien komponiert.

Die Liste ließe sich durch eine Vielzahl von Staatsmännern, die im hohen Alter erstaunliche Kompetenz bewiesen und weltbewegende Dinge leisteten, fortsetzen: Konrad Adenauer war 73, als er das Amt des ersten Bundeskanzler übernahm, das er bis 87 Jahre erfolgreich innehatte. Charles de Gaulle, Churchill und Pertini wären hier ebenso zu nennen wie Golda Meir und andere (vgl. Lehr 2002).
Diese keineswegs vollständige Liste bietet Beispiele für eine hohe Kompetenz im Alter, für eine Gestaltung unserer kulturellen Umwelt durch alte Menschen, die in den letzten 300 Jahren deutlich wurde - in einer Zeit, in der die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 30 und 45 Jahren lag. Doch auch der "normale Bürger" hat spezifische Kompetenzen in bestimmten Bereichen, die keine Altersgrenzen kennen, die man jedoch nicht nur nicht abruft, sondern oft sogar an ihrer Entfaltung hindert.

Montag, 16. April 2018

Beispiele für Schaffenskraft im Alter

In einem Text über Alterskultur von Prof. Dr. Ursula Lehr, ehemalige Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit  habe ich u.a. Folgendes gefunden:

"Das Alter hat viele Gesichter. Freilich, gehen wir in manche Alten- oder Pflegeheime, dann werden wir sehr drastisch mit einem Kompetenzverlust im Alter konfrontiert.
Analysieren wir andererseits die Werke von Philosophen, Historikern, Malern, Schriftstellern und Komponisten, die diese in ihrem 8. und 9. Jahrzehnt vollbracht haben, finden wir viele Beispiele von Kompetenzgewinn im Alter, wir finden viele Beispiele, die zeigen wie sehr Ältere zur Kultur beigetragen haben.
Einige seien hier aufgezählt: Die großen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Voltaire (1694-1778) und Karl Jaspers (1883-1969) hörten erst kurz vor ihrem Tode auf zu schreiben. Voltaire begann sein 9bändiges Werk "Enzyklopädische Frage" mit 76 Jahren und beendete es mit 78. 
Kant veröffentlichte sein Werk "Zum ewigen Frieden" mit 71 Jahren; Jaspers beendete sein Werk "Die großen Philosophen" mit 77 Jahren und war noch bis in sein 85. Lebensjahr hinein produktiv. 
Hans Georg Gadamer hat an seinem 100. Geburtstag in der Universität Heidelberg eine Dankesrede gehalten, die alle vorangegangenen hochwissenschaftlichen Vorträge in den Schatten stellte - frei, ohne Manuskript.
Leopold v. Ranke (1795-1886), der große deutsche Historiker, begann im Alter von 80 Jahren seine "Weltgeschichte", die er mit 90 Jahren beendete. 
Jacob Burckhardt (1918-1897) hatte seinen Lehrstuhl in Basel bis in sein 75. Lebensjahr inne: seine "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" gehören zu den bekanntesten Alterswerken. 
Alexander v. Humboldt (1769-1859) hat mit 76 Jahren begonnen, seinen "Kosmos", ein fünfbändiges Werk, zu verfassen, in dem er eine Synthese des gesamten Weltbildes gibt. 
Albert Schweitzer (1875-1965), Theologe, Arzt und Kulturphilosoph, war bis zu seinem Tod mit 90 Jahren rastlos tätig. 
Wilhelm Wundt (1832-1920) hat mit 68 Jahren begonnen, seine monumentale "Völkerpsychologie" zu schreiben, deren 10. Band er mit 88 Jahren vollendete. 
Albert Einstein (1879-1955) und Max Planck (1858-1947) arbeiteten mit großem Erfolg bis ins hohe Alter hinein.
Der Archäologe Wilhelm Dörpfeld (1853-1940) schloß als 86jähriger sein Buch "Alt Athen und seine Agora" ab. 
Michelangelo Buonarotti (1475-1564) entwarf als 83jähriger das geniale Modell zur Kuppel vom Petersdom in Rom. 
Tizian (1490-1576) schuf das berühmte Gemälde "Mariae Verkündigung" als 69jähriger, als 75jähriger die ."Domenkrönung" und als 80jähriger das letzte Selbstbildnis. 
Veit Stoss (1445-1533) schuf mit 86 Jahren den "Engelsgruß", ein Meisterwerk der Spätgotik.
Das umfangreichste Alterswerk unter den bildenden Künstlern vollbrachte wahrscheinlich Pablo Picasso (1881-1973), der bis zum Alter von 92 Jahren unermüdlich tätig war. Allein das Spätwerk seiner letzten acht Lebensjahre umfaßt 72 Gemälde und 80 Radierungen. 
Oskar Kokoschka (1886-1980) starb kurz vor seinem 94. Geburtstag; weltbekannte Städtebilder zählen zu seinen Spätwerken. 
Marc Chagall (1887-1985) starb wenige Monate nach Vollendung seiner letzten Kirchenfenster für die St. Stephans-Kirche in Mainz im 98. Lebensjahr. 
Gerhard Marcks (1889-19981) war bis kurz vor seinem Tod als 92jähriger künstlerisch tätig. 
Salvador Dali (1902-1988) war bis ins hohe Alter hinein äußerst kreativ."